Siddhartha

Eine Reise zu sich selbst.








von: Hermann Hesse
gelesen und rezensiert: Jänner 2024


Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber in meiner Schulzeit war Siddhartha ein Buch, an dem kein Oberstufenschüler im Gymnasium vorbeikam. Ich weiß auch, dass ich es damals gelesen habe, aber eine aktive Erinnerung an das Buch hatte ich nicht. Und selbst als ich es jetzt wieder gelesen habe, war es, als wäre es das erste Mal. Vielleicht liegt es daran, dass ich es mit ganz neuen Augen getan habe, mit den Augen eines Menschen, der sich in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich viel mit dem Buddhismus beschäftigt hat. 

Siddhartha ist in reichem Haus geboren und in die Kaste der Brahmanen. Eine glückliche Fügung, würden wohl die meisten von uns denken. Siddhartha ist gelehrig und lernt früh die Welt der Götter, der heiligen Verse und Opfergaben kennen. Doch Moksha, indisch für die Befreiung aus dem Rad von Leben, Tod und Wiedergeburt, oder Samsara, erreicht er nicht. Und er fühlt früh, dass er es mit der Lehre, wie er sie gehört und gelesen hat, auch nicht erreichen wird.

Er bittet seinen Vater, ihn ziehen zu lassen, denn er möchte als Samana, als asketischer Bettelmönch leben, um Befreiung zu erfahren. Der Vater verbietet es,  doch Siddhartha beharrt und letztlich gibt der Vater nach. Mit seinem Freund Govinda macht er sich also auf den Weg, um Samana zu werden. Jahre wird er im Wald leben, mit weniger, als dem gemeinhin als Nötigen bezeichnet. Scheinbar macht er Fortschritte, doch er erkennt auch darin wird sich sein Suchen nicht erschöpfen und verlässt die Samanas, wiederum gemeinsam mit Govinda. Auf dem Weg begegnen sie Mönchen Buddhas und schließlich dem Erleuchteten selbst. Govinda schließt sich ihnen an, Siddhartha aber zieht nach einem Gespräch mit Buddha weiter. Er erklärt ihm, er könne Befreiung nicht durch einen Weisen erfahren.

Er gelangt in eine Stadt. In jener lebt auch Kamala, eine berühmte Kurtisane. Seine Sehnsucht entbrennt und er möchte von ihr in Liebesdingen unterrichtet werden. Dem stimmt sie zu, sofern Siddhartha die nötigen Mittel auftreiben kann. Was er auch kann, in dem er sich allerdings den weltlichen Dingen zuwendet. Er wird Kaufmann und reich und Kamala bringt ihm bei, was es in der Liebeskunst beizubringen gibt. Schließlich, in der letzten Nacht, die sie gemeinsam verbringen, wird sie von ihm schwanger, was ihm allerdings im Verborgenen bleibt - zumindest im Augenblick. 

Siddhartha, mittlerweile nicht nur Kaufmann, sondern auch Spieler und Trinker, ist angeekelt vor sich selbst und verlässt die Stadt. An einem Fluss, den er mit Hilfe eines Fährmanns bereits auf dem Weg in die Stadt überquert hat, will er sich ertränken. Und damit tötet er einen Teil von sich selbst und schläft danach den Schlaf der Gerechten. Die nächsten Jahre bleibt er beim Fährmann und lernt dem Fluss zuzuhören. Seine Weisheit reift, seine Befreiung naht, doch noch ist es nicht so weit.

Denn eines Tages, als die Kunde von Buddhas nahendem Tod sich verbreitet, wollen ihn viele Menschen noch einmal sehen, so auch Kamala mit ihrem Sohn. Sie wird allerdings von einer Schlange gebissen, nahe am Fluss und so findet sie Siddhartha. Bevor sie ihren letzten Atem aushaucht, sagt sie ihm, dass das Kind sein Sohn ist. Siddhartha kümmert sich nach Kamalas Tod um das Kind, aber die Liebe, die in seinem Herzen für das Kind brennt, wird nicht erwidert. Das Kind will weg und später läuft es davon. Siddhartha ist verzweifelt und sich das Kind, erst Vasudeva - der Fährmann - bringt ihn davon ab und wieder zurück an den Fluss. Lange braucht es, bis die Wunde zu blühen beginnt, als sie ihren Status als Wunde verliert. Schließlich geht Vasudeva in den Wald, er hat seine Befreiung erreicht, und nicht lange danach wird ihm auch Siddhartha folgen. In einem letzten Gespräch mit Govinda erklärt er seine “Nicht-Lehre”. 

Es ist ein großartiges Buch, ein großes Buch. Es ist kein Buch über den Buddhismus, sondern von der Idee der Erleuchtung, oder besser gesagt von der Idee der Befreiung - von Nirvana - inspiriert. In dem Siddhartha seinen eigenen Weg geht, seinen Weg, den er auch nicht als Lehre bezeichnet, der andere Folgen können oder sollen, ist das Buch buddhistisch undogmatisch. Der Weg zur Befreiung ist ein individueller, jeder muss ihn selbst gehen, jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Schön zu lesen mit viel Inspiration für jeden der von Nirvana begeistert ist. 


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