Achtsam Morden. Am Rande der Welt (Band 3)
von Karsten Dusse gelesen und rezensiert: Mai 2023
Björn Diemel hat eine Midlife-Crisis. Seinen 45. Geburtstag verbringt er nicht mit seinen Freunden oder seiner Familie und feiert, nein. Er sitzt mit den 4 Führungskräften des Mafia-Clans, den er leitet, in einem Hotel und hat sich sogar einen Plan gemacht, wie er es schafft, betrunken zu sein, ohne am nächsten Morgen einen Kater zu haben. Das klappt allerdings nicht ganz und so sitzt er wieder bei Joschka Breitner und erzählt ihm, was passiert ist.
Der reagiert allerdings nicht so, wie es Björn erwartet hat, und zwar ganz und gar nicht. Im Gegenteil, er schlägt ihm etwas vor, das Björn nicht erwartet hat und auch im ersten Augenblick ziemlich doof findet: Pilgern. Aber mittlerweile kennen sich Joschka und Björn doch eine Weile und Björn weiß, dass an den Vorschlägen seines Therapeuten meistens etwas dran ist, das ihm hilft, ein besseres Leben zu führen.
Er legt also los und beginnt seine Reise - nach einer gewissen Planungsphase. Verbunden wird die Reise auch gleich mit digitalem Detoxing, also kein Smartphone, oder nur zu bestimmten Zeiten, oder im Notfall. Notfälle bleiben bei Björn nicht aus, das wissen wir schon aus den ersten beiden Büchern. Und auch in diesem Fall ist es nicht anders - aber das Smartphone bleibt dennoch aus, weil Björn schließlich zu sich selbst finden will und herausfinden möchte, wie er die 2. Hälfte seines Lebens gestalten möchte.
Am Ende erreicht er Santiago de Compostela und Finisterre. Aber nicht nur geografisch erreicht er das Ziel seiner Reise, sondern er lernt viel über sich und wir mit ihm.
Spätestens seit Harpe Kerkelings “Ich bin dann mal weg” ist Pilgern auch in der Breite der Bevölkerung wieder ein Thema. Menschen, die sonst weder mit Gehen, oder mit Selbstreflexion und schon gar nicht mit Selbstfindung etwas am Hut haben, machen sich auf den Weg nach Santiago de Compostela; dass es andere Pilgerwege auch gibt, ist den allermeisten davon gar nicht bewusst. Als ich das Buch aufgeschlagen habe und mir klar wurde, dass Pilgern darin eine große Rolle spielen würde, war ich skeptisch. Mir geht das Thema, ehrlich gesagt, ein bisschen auf die Nerven. Diese Verkürzung, geh pilgern und du wirst dich selbst finden, ist mir ein bisschen zu platt, aber ich habe natürlich weitergelesen. Und gut war es. Die Story fließt schön dahin und in Verbindung mit Achtsamkeit ist auch Pilgern durchaus aushaltbar. Im Vergleich zu den anderen Büchern war meine Begeisterung dennoch nicht so groß - das ist aber natürlich nur mein Geschmack.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen