The mindful body
Ellen J. Langer ist eine renommierte Professorin für Psychologie an der Harvard Universität, die sich in ihren Werken allerdings immer wieder dem Themenkomplex der Achtsamkeit widmet. Was Achtsamkeit bewirken kann und was Achtsamkeit überhaupt ist, sind zentrale Fragestellungen ihrer Forschung.
Köper-Geist
In “The mindful body” stellt sie eine These in den Vordergrund, die einigen sehr banal und anderen maßlos ketzerisch vorkommen wird: es gibt nicht den Körper und den Geist, als getrennte Einheiten, sondern es gibt nur den Köper-Geist. Daraus folgt natürlich, dass es auch nicht eine körperliche Gesundheit und eine geistige Gesundheit gibt, sondern Gesundheit. Langer schreibt an einer Stelle sehr schön: “Ich glaube, dass alles, was in unserem Körper auf irgendeiner Ebene vorhanden ist, auch auf jeder anderen Ebene vorhanden ist; wir haben nur noch nicht die Werkzeuge, um es zu sehen, oder das Bewusstsein, dass wir überhaupt hinschauen sollten”. (Langer 234) Die Implikationen einer solchen Sicht auf die Medizin und die Gesundheit könnten nicht weitreichender sein.
Im Buch zeigt Langer anhand unterschiedlicher Experimente und anhand einer Vielzahl von Studien - die teilweise von ihr selbst durchgeführt wurden - wie sehr Körper und Geist miteinander in Verbindung stehen. Ihre Stossrichtung ist dabei eine sehr klare: Wenn wir im Reinen mit unserem Geist sind, dann und nur dann ist Gesundheit wirklich möglich. Und auch damit bricht sie mit einem Paradigma, das vor allem viele Patienten heute noch im Kopf haben, nämlich mit dem, dass das Gesundheitssystem für unsere Gesundheit verantwortlich sei. Langer sieht jeden Einzelnen in der Verantwortung für die eigene Gesundheit. Damit und mit vielen anderen Punkten ist sie einer Meinung mit Peter Attia, der genau das auch in seinem Konzept der Medizin 3.0 fordert.
Ich kann vieles von dem, was Langer zeigt, folgen und ich stimme ihr auch in einigen Bereichen zu, bin aber etwas zurückhaltender als sie. Ja, es gibt nur einen Körper-Geist und nicht getrennte Einheiten, es gibt nur eine Gesundheit und dementsprechend auch nur eine Krankheit, die sich auf vielen Ebenen manifestieren kann. Der Glaube daran, dass wenn wir nur unseren Geist richtig nutzen und einstellen, wir damit Gesundheit herbeiführen, ist mir allerdings fremd. Ja, natürlich trägt eine gute mentale Gesundheit auch zu einer guten körperlichen Gesundheit bei und vice versa, aber wir können uns innerhalb des Systems nicht ausschließlich selbst heilen oder nur unter sehr sehr spezifischen Umständen, die vermutlich niemals für eine große Anzahl an Menschen erreichbar sind.
Leseempfehlung
Wer einen wissenschaftlichen Zugang zu esoterischen Themen sucht, der wird in Langer auf jeden Fall fündig. Sie argumentiert schlüssig und auch ihre Quellen sind valid. Wer sich dem Thema nicht so sehr mit dem Kopf annähern möchte, sondern umfassender wird eher in Watts oder Kornfield fündig werden. Ich bin jedenfalls immer wieder überrascht, wie deutlich sich zeigen lässt, dass Körper und Geist zwei Seiten derselben Medaille sind.

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